Komm, spielen wir Schicksal – Über Ausbeutung von Kindern Teil II – Warum arbeiten Kinder
Komm, spielen wir Schicksal – Über Ausbeutung
von Kindern
Teil II – Warum arbeiten Kinder
Es gibt keine großen Entdeckungen und keinen
Fortschritt, solange es
noch ein unglückliches Kind auf der Welt gibt. Albert Einstein
noch ein unglückliches Kind auf der Welt gibt. Albert Einstein
Fortsetzung von Teil I:
Warum
arbeiten Kinder?
Natürlich
ist die überwiegende Hauptursache dafür krasse materielle Armut, dass Kinder
ihre Familien unterstützen müssen, um den gemeinsamen Lebensunterhalt zu
sichern. Übrigens ist das immer wieder gebetsmühlenhaft daher geschwätzte
Heilsversprechen der Neoliberalisten, dass die Ausbeutung von Kindern
automatisch endet, wenn die Wirtschaft wächst, falsch – in einer deregulierten
Welt des Liberalismus tritt das Gegenteil ein. Mit dem Wachstum der
ungeregelten Wirtschaft (ohne Gewerkschaften oder Schutzgesetzen) steigt gerade
die Kinderarbeit enorm an, weil billige und willige Arbeitskräfte gesucht werden.
Wie
ich oben schon andeutete, veröffentlichte die ILO letztmalig im Jahre 2006
Zahlen mit dem Hinweis, dass die in der Konvention beschriebenen Formen ausbeuterischer
Kinderarbeit rückläufig seien. Natürlich ist es schon ein Erfolg, wenn 10
oder 20 Millionen Kinder nicht mehr ausgebeutet werden, aber gemessen an der
Zahl von 126 Millionen sind das eher kleine Fortschritte. Doch selbst die kleinen
Fortschritte, die im weltweiten Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern erzielt
wurden, sind durch die aktuelle Wirtschaftskrise bedroht oder gar bereits
zunichte gemacht. Durch den Verlust von Millionen Arbeitsplätzen in den Ländern des Südens – die ILO schätzt die Zahl auf 50 Millionen – durch Minderbeschäftigung
und sinkende Löhne (mehr Lohnkonkurrenz durch Arbeitslosigkeit – treffender
auch Schmutzkonkurrenz genannt), wächst der wirtschaftliche Druck auf Familien.
Ergebnisse
neoliberaler Politik
Weil
vielerorts auf der Welt Schulgeld fällig wird, können viele von Arbeitslosigkeit
betroffene Eltern ihre Kinder deshalb nicht mehr zur Schule schicken. Viele
dieser Kinder sind nun gezwungen, zum Lebensunterhalt der Familien beitragen zu
müssen. Das setzt die Spirale der Schmutzkonkurrenz erneut in Gang –
weiter sinkende Löhne sind die Folge und immer längere Arbeitszeiten, um die
Lohnminderung auszugleichen. Längere Arbeitszeiten nun, sind Kapazitätserhöhungen
ohne Menschen einstellen zu müssen… weniger Menschen arbeiten mehr; die
Arbeitslosigkeit steigt weiter. Und so weiter. Bald entstehen Verhältnisse, in
denen man selbst durch noch so viel Arbeit nicht mehr das
überlebenserforderliche verdienen kann. Menschen werden in die Kriminalität gezwungen…
(dazu mehr in einem weiteren Artikel).
Ein
weiterer Grund für die Zunahme von ausbeuterischer Kinderarbeit ist das sog.
Preisdumping in den klassischen Konsumbereichen der Binnenmärkte der
Armuts-Länder (Entwicklungsländer ist ein Verschleierungsbegriff) oder noch
viel mehr, das Preisdumping in den industrialisierten Ländern (die eigentlichen
Exportmärkte der Armutsländer). Schnäppchenjagd hierzulande erhöht also außerdem die Gefahr,
dass Kinder in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse geraten. Leider ist aber von
den Liberalisten hierzulande, dieselbe politische Grundhaltung installiert
worden, in der Profitmaximierung ohne soziale Verpflichtungen oberstes Gebot
ist. So versuchen diese Leute auch hier die geordneten Arbeitsverhältnisse zu
zerstören – Lohnverzicht, Arbeitszeitverlängerung, ungeschützte
Arbeitsverhältnisse, Arbeitslosigkeit. Das verschärft hierzulande die
Einkommenssituation und zwingt zur Schnäppchenjagd… So einfach ist das!
Die
Ergebnisse dieser Politik liegen weltweit offen zutage (zu den ökologischen
Auswirkungen siehe auch meinen Artikel „Das Trojanische Pferd wiehert…“; zum
Thema Kinder und Krieg siehe meinen Artikel „Zwei Kugeln in jeden Kopf“;
weitere Artikel z.B. über Handel mit Kindern oder über Armutsflüchtlinge
folgen). Die unverbesserlichen Verfechter dieser Politik müssen sich fragen
lassen, ob das ihre Vorstellungen von der Welt sind. Es wird Zeit, dass wir
ihnen Einhalt gebieten – sonst werden wir als Dulder in die Mithaftung
genommen.
Armut
als politisches Programm
Bildung
für alle – auch für arbeitende Kinder, für Kinder von Flüchtlingen, Migranten
und Minderheiten – das war bis zur Krise eine der Hauptforderungen im Kampf
gegen ausbeuterische Kinderarbeit. Sie muss gerade jetzt, weltweit, erneut und
noch dringlicher erhoben werden. Des Weiteren muss das UN-Millennium-Ziel gegen
Armut massiv ausgebaut werden; was nicht nur etwas mit mehr Geld zu tun hat, sondern
Änderungen am System erforderlich macht.
Hinter
dem Begriff der Armut verbergen sich nämlich politische und ökonomische
Entscheidungen, die auch zur Ausbeutung von Kindern führen:
Ø Regierungen
vernachlässigen Bildungssysteme. Es gibt zu wenig Schulen, die Lehrer sind
schlecht ausgebildet, Schulgebühren schließen Kinder aus armen Familien aus.
Ø Weltmarktpreise für
Rohstoffe, wie Kaffee, Kakao oder Baumwolle, sind so niedrig, dass Bauern
verarmen.
Ø Arbeitgeber stellen
Kinder ein, weil sie dann noch niedrigere Löhne zahlen können und Kinder sich
nicht gewerkschaftlich organisieren.
Ø Behörden und Polizei
sind schwach oder korrupt: Sie sehen weg und verfolgen Straftäter nicht, die
Kinder ausbeuten
Ø In fast allen
Gesellschaften gelten bestimmte Menschen als minderwertig Wichtige Rechte, wie
zum Beispiel das Recht auf Bildung, werden ihnen nicht zugestanden: Kinder aus
armen Familien, Mädchen, Kinder aus Flüchtlingsfamilien, Migranten,
Ureinwohner und Kinder aus ethnischen oder religiösen Minderheiten sind
besonders gefährdet, ausgebeutet zu werden. Oft sind sie nicht einmal offiziell
registriert.
Ø Auf Grund von Krieg und
Gewalt lösen sich Familien und Gemeinschaften auf. Gesellschaften brutalisieren
sich. Selbst kleine Kinder werden ausgebeutet und geschunden.
Ø Besonders im südlichen
Afrika steigt die Zahl der Kinderarbeiter und der von Kindern geführten
Haushalte auf Grund von AIDS. Die Elterngeneration stirbt
In den Regionen der sogenannten Entwicklungsländer, in denen es schon seit Jahrhunderten so etwas wie eine „Tradition der Sklaverei“ gibt, führt die (oft von der Weltbank als Gegenleistung für Kredite verordnete) neoliberale Politik, zur Auflösung gewachsener Strukturen. Staatliche Infrastruktur bis hin zu Gemeindeland gerät in die Hände eines immer hemmungsloseren Kapitals. Ganze Dorfbevölkerungen können nicht mehr für den eigenen Bedarf pflanzen und müssen stattdessen für den Export bestimmte profitable landwirtschaftliche Produkte erzeugen – meist über die Schuldknechtschaft werden sie Kandidaten für die Sklaverei. Mit dem Mittel der Korruption nehmen die Sklavenhalter Einfluss auf die staatliche Gewalt und lassen sich von ihr schützen. Die heutigen Sklavenhalter "genießen“ alle Vorteile des Eigentums, ohne seine Verpflichtungen zu haben. Tatsächlich ist es für die Sklavenhalter ein Vorteil, dass sie keine legalen Eigentumsrechte haben, denn sie üben uneingeschränkte Kontrolle aus, ohne für ihren Besitz im Geringsten
verantwortlich zu sein.
In den Regionen der sogenannten Entwicklungsländer, in denen es schon seit Jahrhunderten so etwas wie eine „Tradition der Sklaverei“ gibt, führt die (oft von der Weltbank als Gegenleistung für Kredite verordnete) neoliberale Politik, zur Auflösung gewachsener Strukturen. Staatliche Infrastruktur bis hin zu Gemeindeland gerät in die Hände eines immer hemmungsloseren Kapitals. Ganze Dorfbevölkerungen können nicht mehr für den eigenen Bedarf pflanzen und müssen stattdessen für den Export bestimmte profitable landwirtschaftliche Produkte erzeugen – meist über die Schuldknechtschaft werden sie Kandidaten für die Sklaverei. Mit dem Mittel der Korruption nehmen die Sklavenhalter Einfluss auf die staatliche Gewalt und lassen sich von ihr schützen. Die heutigen Sklavenhalter "genießen“ alle Vorteile des Eigentums, ohne seine Verpflichtungen zu haben. Tatsächlich ist es für die Sklavenhalter ein Vorteil, dass sie keine legalen Eigentumsrechte haben, denn sie üben uneingeschränkte Kontrolle aus, ohne für ihren Besitz im Geringsten
verantwortlich zu sein.
Ø Aber auch wir hier im
sog. zivilisierten Westen haben einen nicht geringen Anteil an diesen
Zuständen. Zum einen sitzen hier transnational operierende Konzerne die Zweigunternehmen
in den ärmsten Ländern gründen und ihre Produktion dahin verlagern. Subunternehmer
in den Entwicklungsländern sorgten dann für Menschenmaterial, mit dem billigst
produziert werden kann und um die Aktionäre mit hohen Dividenden zu erfreuen.
Zum anderen kaufen wir als Kunden dieser Konzerne die billig produzierte Ware
und machen so erst den Profit aus der Sklaverei möglich. Meine Antwort auf die
Frage was wir
tun können ist immer dieselbe: Kämpft für mehr eigenes Einkommen (damit man nicht mehr nur Billigware kaufen kann), boykottiert ihre Sklavenarbeit (damit es für sie unrentabel wird Menschen wie Vieh zu halten) und beschränkt die Macht der Konzerne und ihrer willfährigen politischen Helfer in den Regierungen.
tun können ist immer dieselbe: Kämpft für mehr eigenes Einkommen (damit man nicht mehr nur Billigware kaufen kann), boykottiert ihre Sklavenarbeit (damit es für sie unrentabel wird Menschen wie Vieh zu halten) und beschränkt die Macht der Konzerne und ihrer willfährigen politischen Helfer in den Regierungen.
Schuldknechtschaft
Schuldknechtschaft
(bonded labour) bezeichnet wirtschaftliche Ausbeutung in Form sklavenähnlicher
Abhängigkeit. Das Abhängigkeitsverhältnis entsteht dadurch, dass ein Schuldner
– als Sicherheit für einen Kredit – seine Arbeitskraft zur Verfügung stellen muss.
Der Gläubiger kann dabei willkürlich über die Art und die Dauer der Abhängigkeit entscheiden. In den meisten Ländern der Welt ist Schuldknechtschaft
verboten. Große Bedeutung im Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern hat in
diesem Zusammenhang die oben erwähnte Konvention 182 (Übereinkommen über das
Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit)
der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Bislang haben mehr als 160
Staaten diese Konvention ratifiziert und sich zum Verbot der Schuldknechtschaft
verpflichtet.
In
machen Staaten, etwa in Indien, ist Schuldknechtschaft weiterhin sehr verbreitet.
In vielen Regionen des Landes müssen dort Familien hart für ihr Überleben
kämpfen. In ihrer Not nehmen Bauern Kredite – meist verbunden mit horrenden
Zinsen – bei unseriösen Geldverleihern auf, um etwa Saatgut oder andere
lebenswichtige Dinge zu kaufen. Als Gegenleistung verlangen die Geldgeber, dass
die Familienmitglieder, vor allem aber die Kinder, die Schulden abarbeiten
müssen. Dabei sind sie schutzlos den Ausbeutungspraktiken und der Willkür ihrer
sog. Arbeitgeber ausgeliefert. Nach Schätzungen arbeiten heute noch immer 5,7
Millionen Kinder in Schuldknechtschaft.
Weltweites
Aufsehen erregte vor Jahren der Fall des pakistanischen Jungen Iqbal Masih. Im
Alter von vier Jahren wurde der Junge damals als Schuldknecht an den Besitzer
einer Teppichfabrik verkauft. Die Schuldsumme betrug umgerechnet 12 US-Dollar.
Mehrere Fluchtversuche des Kindes scheiterten. Sechs Jahre musste der Junge täglich
16 Stunden arbeiten, bis er von Mitgliedern einer pakistanischen Organisation
gegen Schuldknechtschaft (Bonded Labour Liberation Front) befreit wurde.
Infolge der langen und harten Arbeit sowie mangelnder Ernährung war sein
körperliches Wachstum zurückgeblieben. Nach seiner Befreiung konnte er eine Schule
besuchen.
Mit
Unterstützung der pakistanischen Organisation gegen Schuldknechtschaft
engagierte er sich für die Rechte der Kinder. Sein Engagement, das bald über
die Grenzen des Landes bekannt wurde, führte zur Befreiung vieler Kinder aus
der Schuldknechtschaft. Im Jahre 1995 wurde er in den USA für seinen Kampf
gegen Schuldknechtschaft mit einem Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Am 16.
April 1995 wurde der Junge in der Nähe seines Heimatortes ermordet. Die
Umstände dieses Verbrechens sind bis heute nicht eindeutig geklärt.
Schlussbemerkung
zweiter Teil
Es
ist offensichtlich, dass hinter all dem Elend massive wirtschaftliche Interessen
stecken, die vor nichts zurückschrecken und keine Skrupel kennen. Die Frage an
uns alle ist, ob wir ebenso skrupellos sein wollen – nichts anderes ist es
nämlich, dieses System der Ausbeutung zu konservieren oder gar noch zu stärken.
Da die politischen Steigbügelhalter dieses Systems offenbar nicht einsichtig sind oder sein können,
müssen sie gezwungen werden ihre Politik zu unterlassen. Die Mittel dazu,
liegen in unserer Hand…
Wilfried
John
Teil
III befasst sich mit der Frage, was wir als Verbraucher tun können um
ausgebeuteten Kindern zu helfen.
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